Es war meine erste Begleitung. Ein Mensch, der aufopfernd und voll Liebe seinen Partner zu Hause gepflegt hatte. Bis zur Erschöpfung. Es blieb keine Zeit für die Wahrnehmung eigener Befindlichkeiten. Nach dem Tod des Partners kam die eigene Erkrankung. So begann die  Begleitung.

Und es passte alles: wir fanden heraus, dass es Orte gab, in denen wir beide zu unterschiedlichen Zeiten gelebt und gearbeitet hatten. Es gab Geschichten, die mich sehr an meinen Vater erinnerten, Lebensformen und Rituale. Bräuche, die wir beide schätzten. Wir wurden vertraut miteinander.

Es war Spätsommer. Pflaumenzeit. Und da war der Heißhunger auf Pflaumenkuchen plötzlich da, verbunden mit Erinnerungen aus dem Leben. Ich kaufte Pflaumenkuchen mit viel Sahne. Das ganze Zimmer schien erfüllt vom Geruch der Bäckerei. Die Wahrnehmung des Duftes war grenzenlos genussvoll, der Kuchen zerging auf der Zunge und die Augen strahlten voller Glück.

Ein paar Tage wiederholten wir dieses Ritual, die Kuchenportionen wurden immer kleiner aber nicht weniger genussvoll verzehrt.

Bis eines Tages ein Flackern in den Augen auftrat und der Wunsch nach Matjes aufkam. Noch einmal einen Matjes essen können, noch einmal diesen Geschmack nach Salz und Meer auf der Zunge haben dürfen... Ich eilte sofort zum nächsten Fischhändler und kaufte Matjes. Nur einen Bissen schaffte er, aber der Genuss war wieder unendlich und mit tiefer Dankbarkeit drückte er meine Hand....

Ich war erstaunt, wie einfach es sein kann, Menschen glücklich zu machen.

(Christa U.)

 

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